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| Die klassische mathematische Statistik stellt Methoden
bereit, mit denen sich aus Experimenten, deren Ergebnisse nicht reproduzierbar,
sondern in gewissem Maße dem Zufall unterworfen sind, in objektiver
Weise Schlüsse ziehen lassen:
Wie groß ist im Mittel die Flüssigkeitsmenge, die eine automatische Abfüllanlage in Flaschen füllt, und bleiben die Schwankungen im Rahmen der vorgegebenen Toleranz?
Dank leistungsfähiger Rechner und umfangreicher Daten besteht auch die Möglichkeit komplexe mathematische Modelle einzusetzen und eine bessere Approximation der Realität zu erreichen. Verfahren, die vor 50 Jahren angedacht worden sind, seinerzeit aber nicht praktikabel waren, ermöglichen jetzt eine datenadaptive Modellierung ohne spezifische, meist nur in grober Näherung erfüllte Annahmen an den datenerzeugenden Mechanismus. Ein Forschungsschwerpunkt der Arbeitsgruppe Statistik ist die Entwicklung solcher Verfahren, bei denen es im weitesten Sinn um das Schätzen von Funktionen geht, deren Form weitgehend beliebig sein kann. Anwendungen finden solche Funktionsschätzer in der Zeitreihenanalyse, bei der es zum Beispiel um die Vorhersage zukünftiger Daten geht, in der Signal- und Bildanalyse und in der Mustererkennung. Im weitesten Sinne lassen sich diese Ansätze als künstliche Intelligenz bezeichnen, da der Rechner mit statistischen Algorithmen unerwartete Zusammenhänge sichtbar machen, die nicht schon bei der anfänglichen Modellierung bekannt waren, sondern aus den Daten gelernt worden sind. Komplexen Daten begegnet man überall in der Forschung und in der
Wirtschaft. Sie müssen organisiert, in für den Menschen verständlicher
Weise visualisiert und als Grundlage für Modelle genutzt werden, mit
denen Vorhersagen gemacht, virtuelle Experimente im Rechner durchgeführt
und Entscheidungen getroffen werden können. Neben der mathematischen
Forschung, bei der es um die Entwicklung von neuen abstrakten Verfahren
und die Untersuchung ihrer Eigenschaften geht, werden in der Arbeitsgruppe
Statistik auch zahlreiche angewandte Forschungsprojekte durchgeführt.
Dabei handelt es sich nicht um eine Einbahnstraße von der Mathematik
zur Anwendung, sondern umgekehrt führt die Beschäftigung mit
realen Problemen auch oft zu interessanten Fragen, die Anstoß für
neue mathematische Entwicklungen sind. Ein typisches Beispiel ist die Finanzzeitreihenanalyse,
wo empirische Untersuchungen zur Entwicklung einer neuen und hochinteressanten
Klasse von Modellen geführt hat, die wiederum kaum zu unterschätzende
Auswirkungen auf die Praxis der Finanzwirtschaft hat. Auf der Basis dieser
Modelle wird in Banken das Marktrisiko, das heißt das mit den Schwankungen
von Aktien- oder Wechselkursen verbundene Risiko, quantifiziert und auf
dieser Grundlage die Höhe der als Sicherheit dienenden Rückstellungen
berechnet.
Die Breite der Anwendungen der Statistik illustrieren einige angewandte Forschungsprojekte der Arbeitsgruppe aus den letzten Jahren. Die Arbeitsgruppe Statistik arbeitet mit der Finanzmathematikgruppe des Fachbereichs Mathematik sowie mit den Abteilungen Finanzmathematik und Modelle und Algorithmen der Bildverarbeitung des Fraunhofer ITWM Kaiserslautern zusammen. |